7.2.2016 - Naturkost-Fachhandel in Deutschland wächst. BNN fordert Absenkung der Mehrwertsteuer für Bio

Der Naturkostfachhandel wies auch 2016 ein stabiles Wachstum auf: insgesamt wurden 3,21 Milliarden Euro im Naturkost-Fachhandel umgesetzt. Dies entspricht einer Steigerung um 5,6 Prozent zum Vorjahr. Die gleiche, gute Entwicklung lässt sich auch für den Naturkostgroßhandel in Deutschland ablesen.

Hier wurden 1,63 Milliarden Euro in 2016 an Gesamtvolumen erreicht – 2015 waren es noch 1,55 Milliarden. Trotz der erneut guten Zahlen warnt der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. davor, die Entwicklung als Selbstläufer zu verstehen und appelliert an die Politik, bewusst Weichen zu stellen.

„Wer Bio-Lebensmittel kauft, unterstützt mit seinen persönlichen finanziellen Mitteln aktiv den Umwelt- und Tierschutz und trägt zur Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen bei. Dies gilt insbesondere für Kunden, die im Bio-Laden oder Bio-Supermarkt einkaufen, da dort die höchsten verbindlichen Stan-dards gelten“, erklärt Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundesverband Naturkost Naturwaren. „Eine repräsentative Umfrage des BNN hat ergeben, dass Bio-Kunden dies sehr bewusst tun – aus Verantwor-tung für kommende Generationen. Die Vorzüge für Mensch, Tier, Umwelt und Klima, die die Bio-Branche täglich erarbeitet, muss durch den Gesetzgeber endlich auch ökonomisch anerkannt werden. Daher fordern wir für Bio-Lebensmittel die Mehrwertsteuer von sieben Prozent oder für manche Pro-dukte sogar von 19 Prozent auf drei Prozent zu verringern. Hier geht es nicht um Subventionierung, sondern um Steuergerechtigkeit für die Verbraucherinnen und Verbraucher und um eine bewusste Weichenstellung zur Belohnung nachhaltiger Lebensstile“, bekräftigt Röder die Forderung des Verbands.

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren begründet seine Forderung auch mit den im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland formulierten Staatszielen: dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sowie dem Tierschutz. In der bundesdeutschen Land- und Lebensmittelwirtschaft werden diese beiden Ziele nirgends nachhaltiger verfolgt als in der Bio-Branche. Hinzu kommt, dass die Produktion und Deklaration von Bio-Lebensmitteln auf einer eigenen Gesetzesgrundlage basieren und somit in besonderer Weise überwacht werden. Eine zusätzliche Facette, die Beachtung verdient.

In 2016 wurden für die Haushalte von insgesamt 12,11 Millionen Menschen Lebensmittel in Bioläden eingekauft (1). Der Markt mit Bio-Lebensmitteln ist im vergangenen Jahr auf über neun Milliarden Euro Umsatz angewachsen (2). „Das ist zweifelsohne eine beispiellose Entwicklung. Vor allem, weil sie auf der Einsicht und dem Weitblick der Bio-Käufer gründet. Sie haben die Vorteile der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft erkannt. Durch die Senkung der Mehrwertsteuer würde die Attraktivität dieses Ernährungsstils für eine noch größeren Bevölkerungsgruppe steigen. Denn die Bewahrung unserer gemeinsamen Lebensgrundlagen sollte auch gemeinsam erfolgen“, so Röder.

(1) IfD Allensbach 2016/ AWA 2016.

(2) Handelsblatt Global, “The Organic Retail Revolution”, 22.01.2017.