Preisgestaltung in risikobehafteten Wertschöpfungsketten
Wie erhält man „faire" Preise für Bio-Milch?
Wenn von fairen Preisen gesprochen wird, denken die meisten an Fair-Trade-Projekte in Entwicklungsländern. Aber auch hierzulande rückt das Thema zunehmend in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Nicht zuletzt stand die BioFach 2010 unter dem Motto „bio+fair". Besondere Brisanz hat die faire Preisgestaltung in der Milchwirtschaft. Aus diesem Grund haben der BNN Herstellung und Handel und die Universität Göttingen ein Projekt zur Gestaltung der Beziehungen in der Wertschöpfungskette Bio-Milch gestartet. Hier ist es seit 2007 zu ungewohnt stark schwankenden Preisen gekommen. Die öffentliche Diskussion, die teils angespannte wirtschaftliche Lage und auch der Milchstreik haben zu einer Sensibilisierung für die Thematik auf allen Seiten geführt.
Warum ist der Bio-Milchmarkt besonders stark von schwankenden Preisen betroffen? Zunächst ist der Bio-Milchmarkt deutlich kleiner als der für konventionelle Produkte, so dass sich Nachfrage- und Angebotsüberhänge stärker auswirken. Daher fällt hier der so genannte „Schweinezyklus" stärker aus. Milchlandwirte können auf Preisänderungen schlecht reagieren, denn sie können bei niedrigen Preisen Milchkühe nicht einfach aus der Produktion nehmen. Hinzu kommen die Bio-Umstellungszeiten, die verhindern, dass das Angebot bei hohen Preisen schnell hochgefahren werden kann. Zudem gibt es nur wenige Molkereien, die als Abnehmer zur Verfügung stehen. Preisrisiken sind also hier viel größer als in der konventionellen Milchwirtschaft.
Aber auch die Bio-Molkereien sind von großen Marktrisiken betroffen, da es sich um einen Premium-Markt mit einer engagierten Kerngruppe von Käufern, aber auch vielen Selten- und Gelegenheitskäufern handelt. Welche Preisabstände zum konventionellen Markt kann man diesen Käufern „zumuten"? Welche Argumente überzeugen die verschiedenen Zielgruppen? Im Projekt zur Preisgestaltung in risikobehafteten Wertschöpfungsketten wird daher der Bio-Milchmarkt untersucht und eine Bestandsaufnahme zur momentanen Preisbildung vorgenommen. Im Dialog mit der Praxis soll ein Modell zum vertikalen Preisbildungsprozess entlang der Wertschöpfungskette erarbeitet werden. Es wird ein Konzept zur Bildung „fairer Preise" entwickelt, das den Akteuren der Kette ermöglicht, innovativ und fair mit Preisrisiken umzugehen.
Kontakt:
Universität Göttingen
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Abteilung „Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte"
Prof. Dr. Achim Spiller
Abteilung „Landwirtschaftliche Marktlehre"
Prof. Dr. Bernhard Brümmer
Ansprechpartner: Martin Pfeuffer: mpfeuff@gwdg.de
