17.04.2013 - Statement des BNN zur CMS - Züchtung mit Zellfusionstechniken

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. sieht die CMS-Züchtung mittels Cytoplasten- oder Protoplastenfusion kritisch. Wir fordern die Kennzeichnung von Züchtungsmethoden ausgehend vom Züchter, um den Verbrauchern beim Kauf die Wahlfreiheit zu ermöglichen. Der BNN sieht die CMS-Techniken[1] nur sehr schwierig mit der in der Präambel seiner Satzung festgeschriebenen Würde der Pflanze vereinbar.

(vgl. Präambel der BNN- Satzung: Aus Verantwortung gegenüber Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt unterstützt der Verband ein ganzheitliches Qualitätsverständnis und den respektvollen und partnerschaftlichen Umgang in der Wertschöpfungskette. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren e.V. und seine Mitgliedunternehmen respektieren die Würde von Mensch, Tier und Pflanze.)

Bei der CMS-Züchtung mittels Cytoplasten - oder Protoplastenfusion werden nicht – wie bei der Gentechnik – einzelne Gene manipuliert, sondern ganze Zellinhalte ausgetauscht. Damit zählen diese CMS-Techniken gemäß der europäischen Gentechnik-Gesetzgebung (VO (EG) Nr. 1829/2003, RL 2001/18/EG) nicht zur Gentechnik. In der EU-Öko-Verordnung ist zwar Gentechnik ausgeschlossen, die CMS-Züchtung mittels der genannten Fusionstechniken aber nicht. Der BNN begrüßt eine breite Information und Diskussion unter möglichst allen Beteiligten – vom Züchter bis zum Verbraucher-, um die CMS-Techniken zu bewerten.

Es gibt derzeit keine verpflichtende Kennzeichnung des Saatguts zu den eingesetzten Züchtungsmethoden ausgehend vom Züchter. Der BNN fordert deshalb den Gesetzgeber auf, Züchter zu verpflichten, den Einsatz der Züchtungstechniken zu deklarieren.

Der BNN stellt seinen Mitgliedern Informationen zu CMS-Sorten (soweit verfügbar) zur Verfügung, um auf diesem Wege die Wahlfreiheit für Händler, Hersteller und Verbraucher zu erhöhen. Es gibt engagierte Öko-Anbauverbände und Öko-Erzeugergemeinschaften, die die CMS-Techniken ablehnen. Es bedarf noch weiterer Anstrengungen, um Alternativen der ökologischen Pflanzenzüchtung marktreif einzuführen. Der Aufbau findet bereits statt (Kultursaat e.V./ saat:gut e.V./ Bingenheimer Saatgut AG) und wird von Unternehmen im BNN unterstützt. Die ökologische Pflanzenzüchtung bedarf weiterer finanzieller Förderung.

Letztlich geht es um die Frage, welche Bio-Landwirtschaft möchten die Akteure der Wertschöpfungskette, die Kunden und die Gesellschaft? Der BNN begrüßt daher konstruktives und nachhaltiges Interesse an dieser komplexen Thematik.




[1] Gemeint sind Protoplasten- oder Cytoplastenfusion zur Züchtung von CMS-Hybriden.